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Jüdische Werte und Normen

Die Juden kennen eine Vielzahl von Geboten und Verboten.

Die Gebote und Verbote der Mitzwot

Ein gesetzestreuer Jude erfüllt die Mitzwot ohne zu fragen wofür und warum, weil es Gottes Wille ist.
Die Zehn Gebote stehen in der Tora, die für die Christen die Fünf Bücher Mose sind. Mit den Zehn Geboten war die göttliche Gesetzgebung jedoch – nach jüdischer Ansicht – nicht beendet. Es gibt 613 Mitzwot, Gebote und Verbote, die die Juden einzuhalten haben. Diese Ge- und Verbote stehen auch in der Bibel der Christen, diese aber beachten diese zum größten Teil nicht.
Der Name für ein jüdisches Gesetz ist Halacha. Die Halacha handelt von der richtigen Anwendung der Gebote in allen Lebenssituationen. Die Mitzwot der Bibel sind unveränderlich. Die Mitzwot, die rabbinischen Ursprungs sind können u.U. durch dazu befugte Gelehrte abgeändert werden.
Die Einhaltung der Mitzwot ist für einen Juden von zentraler Bedeutung und Wichtigkeit. Ein gläubiger Jude befolgt die Gebote, auch ohne ihren Sinn zu verstehen, denn: Gott kennt die Gründe.

Die Beschneidung

Die Beschneidung ist die Befolgung des biblischen Gebots: „So sollt ihr meinen Bund halten zwischen mir und euch und deinen Nachkommen nach dir: Beschnitten werde bei euch alles, was männlich ist. Lasst euch am Fleisch euer Vorhaut beschneiden, und dies soll das Zeichen des Bundes zwischen mir und euch sein“, I. Mose, 11+12.
Brit Mila ist der Bund zwischen Israel und Gott und die Beschneidung das wichtigste Zeichen dieses Bundes.

Der Sabbat

Auch der Sabbat ist ein Zeichen des Bundes zwischen Gott und Israel. Der Sabbat ist der biblische Ruhetag. Er beginnt am Freitagabend mit Sonnenuntergang und endet am Samstagabend  mit der Dunkelheit. Der jüdische Tag dauert von Abend zu Abend, wie die Bibel sagt: Es wurde Abend, und es wurde Morgen: zweiter Tag, I. Mose, 1, 3. Durch die Heiligung des Sabbat wird die Erschaffung der Welt durch Gott bezeugt. Der Sabbat ist das Gedenken des Schöpfungswerks.
Es besteht das Verbot der Arbeit, d.h. aller körperlichen Tätigkeiten, am Sabbat. Aber es ist auch alles verboten, was dazu dient, Neues herzustellen – das aus dem Bewusstsein heraus, dass Gott der alleinige Schöpfer ist. So sind etwa Kochen und Licht anzünden verboten.
Der Sabbat ist eine Insel der Zeit und er soll Feier- und Freudentag sein. Hierzu gibt es Anweisungen. So sollen Menschen, die es sich in der Woche nicht leisten können, am Sabbat Fleisch und Fisch essen und Wein trinken. Gutes Essen gehört also immer zum Sabbat.
Ein Besuch der Synagoge gehört ebenfalls zum Sabbat. Der erste Gottesdienst findet am Freitagabend statt. Am Samstagvormittag gibt es den zweiten Gottesdienst. Den Abschluss des Sabbats, den Samstagabend begeht der fromme Jude ebenfalls in der Synagoge. Zwischen den Gottesdiensten studiert er die Tora oder gibt sich einfach dem Nichtstun hin.
Der Sabbat wird im Haus von den Frauen mit dem Anzünden der Sabbatkerze begrüßt, in der Synagoge begrüßt man den Sabbat als „Braut Sabbat“ oder „Königin Sabbat“.

Kaschrut

Reinheit und Unreinheit hat im Judentum eine große Bedeutung. Hier geht es ausschließlich um spirituelle Reinheit, nicht um hygienische oder medizinische. . So gibt es etwa unreine Tiere oder auch unreine Taten, etwa üble Nachrede oder Götzendienst. Es existiert eine Vielzahl von Reinheitsgesetzen, von Kaschrut-Gesetzen.

Es gibt besondere Speisegesetze im Judentum. So dürfen Juden nur Speisen und Getränke zu sich nehmen, die koscher sind. Die Grundsätze der koscheren Ernährung sind in der Bibel niedergelegt. Die Ausführungsbestimmungen wurden im Laufe der Jahrhunderte entwickelt. Die jüdischen Speisegesetze schreiben nicht nur Kost für den Körper, sondern auch für die Seele vor. Es geht darum, nicht vordringlich körperliches, sondern seelisches Wohlbefinden zu erhalten.
Die Kaschrut-Vorschriften lassen sich nicht logisch erklären; sie gehören zu den Hörigkeitsgesetzen. Kein Widerspruch gegen die Gesetze, die auf dem Berg Sinai gegeben wurden.
So gibt es Tiere, die man essen darf und solche, deren Verzehr verboten ist. Damit die erlaubten Tiere koscher sind, müssen sie geschächtet sein. Sie müssen also durch einen einzigen Schnitt die Halsschlagader, Luft- und Speiseröhre durchtrennt bekommen und ausgeblutet werden. Verboten ist der gemeinsame Verzehr von fleischigem und milchigem. Sogar das Geschirr für milchiges und fleischiges wird getrennt und ist in frommen jüdischen Haushalten doppelt vorhanden. Das geht auf die Bibelstelle zurück, die lautet, dass das Zicklein nicht in der Milch seiner Mutter gekocht werden darf,  2. Mose, 23, 19.
Früchte und Gemüse sind neutral, parwe. Man darf sie sowohl zu Milchigem und Fleischigem essen. Bei den Fischen sind Fische ohne Schuppen und Krustentiere nicht koscher, sie dürfen also nicht gegessen werden.
Es ist Aufgabe der Rabbiner festzustellen, welche Lebensmittelprodukte koscher sind. So gibt es im deutschsprachigem Raum Kaschrutlisten. Jedes neue Produkt muss untersucht werden, ob es koscher ist.
Die Aussonderung der Lebensmittel dient den Juden zur Abgrenzung von anderen Völkern und hilft ihnen, nicht assimiliert zu werden. Sie ist ein wichtiger Wert im Judentum.

Mikweh

Frauen in der Menstruation gelten im Judentum als unrein. Sie dürfen während dieser Zeit keinen Mann berühren. Nach der Menstruation geht die jüdische Frau in die Mikweh, was lebendiges Wasser bedeutet. Es ist ein Bad aus reinem Regenwasser. Unter Aufsicht einer anderen Frau muss die Frau ganz untertauchen.  Die Mikweh gibt es nur für verheiratete Frauen.