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Jüdische Gemeinden

Das Judentum ist heute in unterschiedliche Gemeinden zusammengeschlossen.

Die Juden in Deutschland sind in 83 Gemeinden, die Gemeinden wiederum sind im Zentralrat der Juden zusammengeschlossen.

Es gibt aber viele Juden, die zu keiner Gemeinde gehören. Bezüglich der Zahl der Juden ist zu beachten, dass nach dem jüdischen Verständnis derjenige Jude bzw. diejenige Jüdin ist, der oder die von einer jüdischen Mutter abstammt und zwar unabhängig davon, ob und wie der jüdische Glaube vom Einzelnen praktiziert wird. Man kann also nicht sagen, dass derjenige, der sich keine Gemeinde anschließt, nicht mehr Jude ist. Wer als Jude oder Jüdin geboren wurde, bleibt jüdisch. Man kann hier nicht den Vergleich mit den Christen ziehen, die aus der Kirche ausgetreten sind.
Man kann drei Gruppen jüdischer Gemeinden unterscheiden.

Konservative jüdische Gemeinden

Die konservativen, traditionalistischen oder Einheitsgemeinden sind zahlenmäßig die verbreitetsten jüdischen Gemeinden. Innerhalb der Gemeinde leben sowohl strenggläubige als auch liberale Juden. Mitglied ist man, wenn man von einer jüdischen Mutter geboren worden ist.

Orthodoxe jüdische Gemeinden

Die orthodoxen jüdischen Gemeinden zelebrieren die strengste Auslegung der religiösen Praxis. Sie gehen davon aus, dass die Tora so, wie sie ist, Wort für Wort, von Gott an Moses auf dem Berg Sinai offenbart wurde. Die Tora ist das ewig geltende Wort Gottes. Deshalb gibt es keine Gebote, die in der heutigen Zeit keine Gültigkeit mehr haben. Der Mensch kann nicht befinden, was gut und falsch ist. Der Mensch muss die Gebote auch nicht verstehen, sondern nur erfüllen. Einer orthodoxen jüdischen Gemeinschaft kann man nur angehören, wenn sowohl Mutter als auch Vater jüdisch waren, uns zwar jüdisch orthodox.

Liberale jüdische Gemeinden

Die liberalen jüdischen Gemeinden legen die jüdischen Gesetze, den Mitzwot, liberal aus bzw. haben eine liberale Einstellung hierzu. Die Tora ist ein von Menschen geschriebener Text und deshalb nicht heilig. Die Gesetze sind nicht göttlich. Bestimmte Mitzwot werden deshalb mit der Begründung gestrichen, sie würden in der modernen Welt keinen Sinn mehr haben, da sie nur aus dem geschichtlichen Zusammenhang zu verstehen sind.
Auch innerhalb der konservativen Gemeinden kann es liberale Juden und Jüdinnen geben. Besonders die Stellung der Frau wird anders als von den konservativen Juden gesehen. Die liberalen Juden meinen, dass die Männer nicht über die Frauen zu bestimmen haben, denn andernfalls würde die Hälfte der jüdischen Menschen in eine zweitrangige Position gesetzt. Frauen und Männer sind in liberalen jüdischen Gemeinden gleichberechtigt. Frauen können gottesdienstliche Handlungen verrichten, Gemeindepräsidentin und Rabbinerin werden. Konservative und orthodoxe Gemeinden wehren diese liberale Einstellung energisch ab.