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Geschichte und Entstehung des Judentums

Wie ist das Judentum entstanden?

Vor ca. 3000 wandten sich die Einwohner der Dörfer Galiläas und Judäas südlich des Sees Genezareth vom Polytheismus zum Monotheismus hin.

Sie wandten sich von der Vielgötterei dem Einen Gott Jahwe zu, bekannten sich zum Judentum. Die Anhänger Jahwes sehen sich als Gottes auserwähltes Volk. Die Juden waren zunächst in zwölf Stämme gegliedert, vereinigten sich jedoch im Jahr 997 v. Chr. unter König David im Reich Israel. Von besonderer Bedeutung war die Stadt Jerusalem, denn dorthin hatte man die Bundeslade überführt. Die Bundeslade war ein Behältnis, in der nach biblischer Überlieferung die Steintafeln mit der Niederschrift der Zehn Gebote verwahrt wurden. Die Zehn Gebote hatte Moses am Berg Sinai von Gott empfangen. Die 10 Gebote und andere Vorschriften, die Moses empfing, sind in den fünf Büchern Mose, der Tora, was auf Hebräisch Weisung bedeutet, zusammengefasst. Die Tora hat 365 Verbote, was der Zahl der Tage des Jahre entspricht. Sie enthält ebenfalls 248 Gebote. 248 war nach antikem Wissen die Anzahl der Glieder im menschlichen Körper. Die Zahlen sollen für die Geltung der Verbote und Gebote zu aller Zeit und in allen Lebensbereichen stehen. Werden die 613 Gebote und Verbote alltäglich eingehalten und praktiziert, so wird das Volk und das Land geheiligt werden, so die Glaubensanschauung. Die Tora ist ein umfassendes Regelwerk, das sehr genau die Gesellschaft, den Glauben und den Alltag der Juden regelt. Sie hält Regeln für die Beschneidung der Jungen bereit. Sie gebietet auch die Einhaltung des heiligen Ruhetags Sabbat und enthält vielfältige Reinheits- und Speisegebote. Die Tora ist der Heilsweg der Juden, nur wenn man sich nach ihr richtet, lebt man nach dem Willen Gottes.

Die Erzählungen von der Erschaffung der Welt bis zum Tod Moses liefern die Basis der Einheit und der Besonderheit Israels. Im Verlauf der Zeit wurden rechtliche und kultische Anweisungen in diese Erzählungen eingefügt; sie gelten als Wille Gottes, als Verpflichtung des Volkes Israel. Sie werden als Lebensordnung und Verfassung angesehen und als Plan und Werkzeug der Weltschöpfung.

Die Tora wird von den Rabbinen ausgelegt, das sind jüdische Gelehrte. Seit der Zerstörung Jerusalems durch die Römer im Jahr 70 n. Chr. regeln die Rabbinen alle Lebensbereiche. Die jüdische Gemeinde hat ihre Entscheidungen anzuerkennen.

Der Babylonische Talmund ist die Essenz der rabbinischen Lehre. Der Babylonische Talmund ist eine Sammlung aller Lehrstoffe der rabbinischen Schulen; sie wurde im 7. Jahrhundert n. Chr. vollendet.

Das jüdische Rechte, die halacha, wurde auf der Grundlage von Tora und Talmund entwickelt. Jeder Rabbiner entscheidet jede Streitfrage eigenständig. Ob aber die jüdische Gemeinde seine Entscheidung akzeptiert, hängt von der Überzeugungskraft des Rabbiners ab. Das führt oft zu unbefriedigten Lösungen: es gibt zwar Gesetze, aber keine Instanz, die dafür sorgt, dass die Gesetze überall gleich interpretiert werden. Aber jeder Deutung der Tora ist gültig und so kann ein Jude, dem die Auslegung des einen Rabbiners nicht genehm ist, zu einer anderen Gemeinde wechseln. Kein Wunder, dass sich das Judentum in den vergangenen Jahrhunderten in viele Glaubensrichtungen geteilt hat. Auch die Diaspora, die Zerstreuung der Juden aus dem Mutterland in alle Welt hat hierzu beigetragen.

Mit oder nach der Aufklärung entstand in den USA und dem Westen Europas das Reformjudentum. Es bemühten sich jüdische, aber auch nichtjüdische Reformisten, die in den Jahrhunderten diskriminierten Juden aus ihren Ghettos zu holen und in Staat und Gesellschaft einzugliedern. Die Reform lehnte viele religiösen Traditionen und rituelle Vorschriften ab. Hintergrund war die Überlegung, dass ein Jude in den modernen Nationalstaaten unabhängig von seiner Konfession ein Bürger wie alle anderen sein sollte. Rabbiner, die sich der Reform verschrieben hatten, wollten mehr Seelsorger als Tora-Sachverständige sein.

In Deutschland waren Juden seit 1871 gleichgestellt. Es herrschten zwar noch Vorurteile in der Bevölkerung, dennoch lebten die Juden nun so wie die Christen und ihre traditionelle Identität trat in den Hintergrund.

Die orthodoxen Juden im Orient und in Osteuropa hingegen duldeten keine Ausnahmen und Abweichungen von der Tora. Auch die traditionelle jüdische Kleidung blieb dort Pflicht.

Seit 1897 hatte sich der Zionismus gebildet, der die Zukunft des jüdischen Volkes allein in der Gründung eines eigenen Staates sah. Die Diaspora der vergangenen Jahrhunderte sollte so beendet werden. Diese jüdische nationalistische Ansicht des Zionismus wollten sowohl die reformerische als auch die orthodoxe Tendenz überwinden.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, dem Judenhass und Massenmorde im Nationalsozialismus vorhergegangen waren, verstärkten sich auch im Reformjudentum in Europa und Amerika die traditionellen Ansichten. Der Zionismus bekam Auftrieb und das führte 1948 zur Gründung des Staates Israel.

Aber auch durch die Staatsgründung Israels konnten die Unterschiede zwischen den Altgläubigen und Reformern nicht ausgeglichen werden. So stehen Reformjuden heute liberalen Christen und Muslimen in vielen Punkten näher als ihren ultraorthodoxen Glaubensgenossen.