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Pontius Pilatus

Von Pontius Pilatus, dem römischen Statthalter in Jerusalem, stammt der Satz: Ich wasche meine Hände in Unschuld

Die Kreuzigung Jesu

Pontius Pilatus ließ Jesus von Nazareth ans Kreuz schlagen. Er sprach auf dem Vorplatz des Prätoriums den Schuldspruch über den Angeklagten Jesus. Dieser hatte behauptet, der König der Juden zu sein. Mit dieser Behauptung hatte er für die Anhänger des Königs Herodes gegen die religiösen jüdischen Gesetze verstoßen, Gotteslästerung begangen. Der jüdische Hohe Rat vertrat die Auffassung, dass darauf der Tod durch Steinigung stand. Das Blutrecht stand jedoch ausschließlich der römischen Exekutive zu. Deshalb mussten sich die Hohepriester und Schriftgelehrten an den Präfekten der römischen Kaiserprovinz Judäa wenden, als sie am Vorabend des Passahfestes den Tod des Rebellen Jesus forderten.

Pontius Pilatus oblag als römischen Statthalter die Sorge für die öffentliche Ordnung und Ruhe. Er war römische Ordnungsbehörde. Er hatte darauf zu achten, dass die Infrastruktur geschaffen wurde und intakt blieb, dass Steuergelder nach Rom fließen konnten.

Judäa war im Jahre sechs nach Christi Geburt unter römische Verwaltung gelangt. Diese römische Provinz gehörte zu Syrien. Syrien wurde vom römischen Konsul Lucius Vitellius verwaltet. In Judäa gab es mehrere religiöse Gruppen, die untereinander zerstritten waren. Allerdings war die Lage nicht gefährlich, da die Gruppen nicht bewaffnet waren. Pontius Pilatus verfügte zudem über römische Hilfstruppen und Volkssoldaten.

Welche Vorwürfe wurden Jesus nun zur Last gelegt? Amtsanmaßung, Krawall im Vorhof des Tempels sowie Anstiftung zum Steuerboykott. Pontius Pilatus war nicht von der Schuld des Jesus überzeugt. Pontius Pilatus bot den Anklägern eine Amnestie an, um Jesus zu retten. Diese aber wollten lieber den Jesus verurteilt wissen, als den Rebellen Barabas begnadigt. Die Hohepriester und Schriftgelehrten setzten Pontius Pilatus unter Druck und drohte ihm an, ihn bei dem römischen Kaiser Tiberius anzuzeigen. Er sei im Falle einer Nicht-Verurteilung nicht mehr der "Freund des römischen Kaisers". Rom war gezwungen, mit den Juden in Judäa zusammenzuarbeiten, um keine Unruhe in der Provinz entstehen zu lassen, denn das religiöse Umfeld war spannungsgeladen und schwierig.

Wer war Pontius Pilatus?

Pontius Pilatus stammte wahrscheinlich aus dem Rittergeschlecht der Pontii. War er ein wankelmütiger, nachgiebiger und ängstlicher Charakter? Doch Voraussetzung für die Stellung als Präfekt war eine ritterliche Abstammung und militärische Erfahrung als Centurio, Primipilus oder Tribun, wie man heute annimmt. Und Judäa war eine schwierige Provinz. Der römische Kaiser wird dorthin nicht jemanden geschickt haben, der nicht wusste, wie man in diesem Amt bestehen konnte. Man wird also nicht annehmen können, dass ein römischer Statthalter des Kaisers eine Entscheidung von Willen eines Mobs abhängig gemacht hat. Nur weil die Menge die Verurteilung wollte, wird Pontius Pilatus diese nicht vorgenommen haben. Wohl aber ist es nicht unwahrscheinlich, dass er auf die Meinung des Hohepriesters Kaiphas Rücksicht genommen hat, denn dieser war der ranghöchste jüdische Priester und ein gutes Einvernehmen mit ihm war für die römische Führung wichtig.

Pontius Pilatus dürfte von der Unschuld Jesus überzeugt gewesen sein; deshalb hat er versucht, ihn zu schonen. Auf der anderen Seite hat er dem Drück der religiösen jüdischen Führung nachgegeben. Pontius Pilatus stand zwischen den Stühlen. Dass er der Führung Roms mit der Verurteilung auf lange Sicht keinen Gefallen getan hat, denn nun entstand das Christentum. Aber indem Pilatus den jüdischen Verbündeten Roms einen Gefallen tat, hat er mit daran gewirkt, dass Jesus durch seinen Tod die Menschen vom ewigen Tod erlösen konnte.

Pontius Pilatus war insgesamt 10 Jahre Präfkt. 36 n. Chr. wurde er von seinem Amt enthoben. Hintergrund war eine blutige Auseinandersetzung unter den Samaritanern. Sie wollten bewaffnet mit einem Propheten den heiligen Berg Garizim steigen und die heiligen Gefäße des Moses suchen. Daraufhin legte der Rat der Samaritaner beim Legaten Syriens, Lucius Vitellius, eine Beschwerde ein. Dieser befahl Pontius Pilatus, sich persönlich nach Rom zu begeben und sich vor Kaiser Tiberius zu verantworten. Als Pilatus in Rom ankam, war der Kaiser aber bereits tot. Danach ist nichts mehr über ihn bekannt.

Hände in Unschuld waschen

Die Legende sagt, dass er im Jahr 39 n. Chr. unter Kaiser Caligula Selbstmord begehen musste oder dass Nero in hingerichtet habe. Ebenso gehört ins Reich der Dichtung, dass seine Leiche in den Tiber geworfen worden sei. Daraufhin habe es eine große Überschwemmung gegeben. Deshalb sei der Leichnam in die Rhone geworfen worden. Danach habe ein fürchterlicher Sturm gewütet. Letztendlich sei die Leiche dann in einem Schweizer See beigesetzt worden. Seit jener Zeit bricht dort immer ein Unwetter aus, wenn man etwa in den See wirft. Am Karfreitag aber holt der Teufel persönlich Pontius Pilatus aus dem See, setzt ihn auf einen Thron. Dort soll er seine Hände in Unschuld waschen.

Ob Pontius Pilatus tatsächlich jemals seine Hände in Unschuld gewaschen hat, ist zweifelhaft. Nach dem Matthäusevangelium hat Pilatus vor dem Todesurteil gegen Jesus seine Hände öffentlich rituell mit einer Geste gewaschen haben. Es ist zwar möglich, weil der römische Präfekt Jesus als jüdischen Prediger weder schützen noch die Verantwortung für seine Hinrichtung übernehmen wollte. Das Reinigen der Hände, nicht nur mit Wasser, sondern mit dem Blut von Opfertieren, ist jedoch ein altes biblisches Ritual, was einem Römer wie Pontius Pilatus sicher nicht bekannt war.