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Hinduistische Tempel

Gottesdienst im hinduistischen Tempel

Ein hinduistischer Tempel ist in unterschiedliche Bereiche aufgeteilt, die unterschiedliche Heiligkeit aufweisen. Die Heiligkeit wächst von außen nach innen.

Die Straßen, die bei Tempelumgängen mit Bildgestalten begangen werden, bilden den äußeren Bereich. Nichthindus können sich hier ohne Einschränkungen bewegen, hinduistische Frauen, die gerade ihre Regel haben, dürfen diese Zone hingegen nicht betreten.
Die Schwelle des Tempels grenzt den zweiten Bereich ab. Sie darf nur überschritten werden, wenn gewisse rituelle Reinheit gegeben ist. Die Schuhe müssen ausgezogen werden, Zigaretten dürfen nicht mit in den Tempel genommen werden. Alkohol darf nicht im Tempel konsumiert werden. Beine müssen bedeckt sein, Arme können frei sein, die Kleidung sollte darf nicht körperbetont sein. Eine Kopfbedeckung ist nicht erlaubt, es sei denn, es handelt sich um eine religiöse Kopfbedeckung. Solche sind z. B. das Kopftuch der Muslime, die Haube einer christlichen Nonne, die jüdische Kipa oder der Turban der Sikh.
Hindus müssen den Zustand ritueller Reinheit haben, wenn sie einen Tempel besuchen wollen. Sie essen am Tag des Tempelbesuchs kein Fleisch, waschen sich vor dem Tempelbesuch die Hände. Hindus nehmen aus einem Gefäß. Vibhuti und zeichnen sich damit auf der Stirn einen grauen Strich, wenn sie den Tempel betreten.
Der nächste Bereich des Tempels wird durch den Schrein der Hauptgottheit des Tempels und dem davor gemauerten Palipîdam mit dem Fahnenmast und dem der Gottheit zugewiesenen Tier abgeteilt. Hier dürfen sich nur Priester und Priesterhelfer aufhalten. Der Grund liegt darin, dass damit der Atemstrom und Blickkontakt zwischen Gott und Tier nicht unterbrochen wird.
Den heiligsten Bereich des Tempels bilden die begehbaren Schreine der Hauptgottheiten. Hier dürfen nur die Priester hinein. Gleiches gilt für die Stufen davor.
Außerhalb eines Gottesdienstes darf man sich den Tempel anschauen. Die Schreine darf man dabei nur im Uhrzeigersinn umschreiten. Kultgegenstände dürfen nicht berührt werden. Auf den Treppenstufen der Schreine darf man sich auf keinen Fall hinsetzen, wohl aber auf den Boden. Dabei darf man die Beine nie gegen die Statuen oder Bilder der Gottheiten richten. Schneidersitz oder sitzen mit unterschlagenen Beinen ist sicher in Ordnung. Auch gegen Menschen darf man die Beine nicht ausstrecken. Fotografien sollten nur nach Rückfrage angefertigt werden.
Nachfolgend wird ein Gottesdienst nach tamilisch-hindustischem Ritus beschrieben.
Beginnt die Puja, der Gottesdienst, so schließt der Priester die Vorhänge vor den Schreinen. Diese darf auch nur der Priester berühren.
Da die Puja oft sehr lange dauert, mehr als sechs Stunden, erscheinen die Hindu erst nach und nach zum Gottesdienst. Es ist ihnen aber Pflicht, bis zum Schluss zu bleiben.
Die Frauen stehen während der Puja auf der linken Seite, die Männer auf der rechten Seite. So müssen es auch Besucher halten. Besucher müssen kein Ritual mitvollziehen, allerdings aufstehen, wenn die gläubigen Hindus stehen. Schreitet der Priester um die Schreine mit seiner Gemeinde, dürfen Besucher sich anschließen. Man darf als Besucher das Geschehen aber auch aus dem Hintergrund des Tempels beobachten. Man darf sich dabei allerdings nie mit dem Rücken gegen die jeweilige Gottheit wenden. Und man sollte nicht umhergehen, wenn es die Hindus mit dem Priester nicht tun. Zum Abschluss des Gottesdienstes wird Prasadam, die Opferspeise, an alle Anwesenden verteilt. Es gilt als Sakrileg, den Tempel zu verlassen, ohne Prasadam genommen zu haben.
Während der Puja bringt der Priester der Gottheit verschiedene Gaben dar, wie Blumen, Früchte, Wasser, Klänge, Wohlgerüche und Licht. Dabei rezitiert er heilige Texte in Sanskrit, Mantras. Zum Abschluss opfert der Priester Karpura, weißen Kampfer, mit einen fünfteiligen Lampe, die er vor der Bildgestalt hin- und herbewegt. Diese Zeremonie wiederholt der Priester vor jedem Schrein. Schließlich übergibt der Priester einem Hindu die Lampe an. Dieser muss nun beide Hände über die Flamme halten und dann Augen und Gesicht berühren. Dann nimmt er die Lampe und bietet sie allen Anwesenden an. Feuer von brennendem weißen Kampfer, das einem Gott dargebracht wurde, ist nach der Religion der Hindus geweiht. Gläubige, die etwas von dem Feuer nehmen, erhalten etwas von dem Segen. Dann bekommen die Gläubigen Vibhuti vom Priester, ein graues, parfümiertes Pulver, Asche von verbranntem Kuhdung. Der Empfänger bekommt das Pulver in die rechte Hand, die über der linken Hand liegt. Dann macht er sich damit an der Stirn und am Hals einen grauen Strich. Ein verbleibender Rest wird keinesfalls auf den Boden gestreut, sondern zwischen den Handflächen verrieben. Der Priester verteilt auch Santhanam, mit Wasser angerührtes Gelbwurzpulver. Man steckt einen Finger in den Behälter und macht sich unter den Vibhutistrich einen gelben Punkt auf der Stirn. Schließlich macht man von dargebotenem Kunkumam, auch Kumkum genannt, einem roten Pulver, einen kleinen roten Punkt mit der Fingerspitze im gelben Santhanam-Punkt auf der Strin. Dann nimmt man Puspam, also Blütenblätter, genau genommen nur eins und steckt es über das rechte Ohr. Schließlich verteilt der Priester Ditam, gesüßte Milch. Man nimmt sie wie das Vibhuti direkt in die Hand, d.h. der Priester schüttet sie mit einem kleinen Löffelchen direkt hinein. Man trinkt Ditam aus der Hand.