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Was ist der Taoismus?

Das Gleichgewicht zwischen Yin und Yang.

Ein nicht beschreibbares Weltgesetz bildet den Kern des Daoismus.

Dieses Weltgesetz war immer und wird immer sein. Es ist in allen Wesen und Dingen und der Ursprung jeder Veränderung. Sein Name ist dao oder tao. Man kann es sich als universelles Gesetz der Ausgeglichenheit vorstellen, der Interaktion der Urkräfte Yin und Yang. Das Prinzip Yin ist weiblich, passiv, empfangend, verhüllend und hingebend. Die Kraft Yang ist männlich, zeugend, aktiv, licht.  Werden, Sein und Vergehen unterliegen der natürlichen Dynamik des Dao, nicht etwa dem Willen eines Gottes.
Es ist unmöglich, das Urprinzip zu lehren und zu verstehen, weil es jede Vorstellung überschreitet. Das Dao ist allenfalls intuitiv durch die Nähe zur Natur und die Entdeckung der Spontanität zu erfassen. Das Dao drückt sich aus durch Bescheidenheit, Einfachheit und Zurückhaltung. Eine wichtige Schrift des Daoismus beschreibt es wie folgt: „Dao praktizieren heißt täglich loslassen und wieder loslassen. So gelangt man zum Handeln, ohne einzugreifen. Handeln ohne einzugreifen lässt nichts unerledigt.“
Die Vorstellung vom Dao stammt aus dem alten China und der Daoismus gehört zu den ältesten noch praktizierten Traditionen der Menschen.

In einem daoistischen Tempel schauen die Menschen mit Hilfe von Ritualen und Meditation nach oben, von wo die Gottheiten auch herabblicken. Es erfolgt ein Austausch zwischen Menschen und Kosmos. Die Gläubigen versuchen mittels Opfern und Gebeten eine Harmonie und Ausgeglichenheit der Welt im Sinne des Daoismus zu erreichen. Die Gläubigen verehren zudem heilige Bücher, entzünden Lampen, verbrennen Weihrauch und Papiergeld und nehmen an Prozessionen teil.
Den Mittelpunkt des Daoismus nimmt der Glaube an die Unsterblichkeit ein. Unsterblichkeit wird heute nicht mehr körperlich, sondern im Sinne eines Weiterlebens auf Ewigkeit nach dem irdischen Tod verstanden. Das Transzendente der äußeren Welt wirkt nach Vorstellung der Taoisten auch im inneren des Menschen als dessen Lebenskraft. So strebt der Einzelne nach einem langen Leben. Die chinesische Kultur hat deshalb im Laufe ihrer Geschichte Rituale geschaffen, die helfen sollen, dies zu erreichen. Es wurden Ernährungslehren geschaffen, Atemtechniken und Bewegungsübungen. All dies dient der Stärkung der spirituellen Lebenskräfte.
Im Wissen um eine mögliche Unsterblichkeit handelt der Daoist nach ethischen Gesichtspunkten, er ist loyal gegenüber der Obrigkeit, ehrerbietend seinen Eltern gegenüber, zeigt Mitleid mit allen Lebewesen und Dingen, unterstützt die Armen, ist geduldig, pflanzt Bäume und befreit Lebewesen.
Die Alchemie und Pharmazie ist ebenfalls Bestandteil des Taoismus. So wurden angeblich lebensverlängernde Arzneien entwickelt. Der Daoismus macht sich also Wissenschaft und technischen Fortschritt zu eigen und leugnet sie nicht, wie andere Religionen.
Der Taoismus ist heute stark mit dem Buddhismus und dem Konfuzianismus,  verbunden und verwoben, so dass man diese drei Lehren, die sanjiao, in der religiösen Praxis kaum noch voneinander unterscheiden kann. Aus diesem Grund lässt sich auch die genaue Zahl der religiösen Daoisten nicht ermitteln. In China, wo während der Kulturrevolution unter Mao die religiösen Anschauungen unterdrückt wurden, erlebt der Daoismus derzeit wieder eine Renaissance.