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Christliche Werte

Welche christlichen Normen gibt es?

Der Katechismus der Katholischen Kirche besagt: „Wir glauben, dass Gott zum Erschaffen nichts schon vorher existierendes und keinerlei Hilfe benötigt.“ Diese Überzeugung hegen alle Christen. Gott steht über allem und allen und wird deshalb auch so verehrt.

Die Bibel (Markus 12, 29-32), die heilige Schrift der Christen, sagt: „Jesus antwortete: Das erste ist: Höre Israel, der Herr, unser Gott ist allein Herr; und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen und aus deiner ganzen Seele und aus deinem ganzen Denken und aus deiner ganzen Kraft. Das zweite ist dieses: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Kein anderes Gebot ist größer als diese beiden.“ Aus der Sicht der Christen sind die biblischen Gebote mit diesen beiden Geboten zusammengefasst. Die im Alten Testament aufgeführten 613 Gebote und Verbote haben deshalb für die Christen nur noch bedingt Gültigkeit und die Zehn Gebote sind eigentlich nur eine Auslegung der beiden von Jesus erwähnten Gebote.

Die Zehn Gebote

Die ersten vier Gebote handeln davon, wie sich die Menschen Gott gegenüber verhalten sollen, die übrigen sechs Gebote davon, wie die Menschen die Mitmenschen behandeln sollen.
Die Zehn Gebote lauten:
1. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.
In der Zeit, in der Moses lebte, hatten die Völker, die in Israels Nachbarschaft lebte, andere Götter. Das erste Gebot erhebt den biblischen Gott zum einzigen Gott, der sich in den Geschichten der Bibel offenbart und dessen Sohn Jesus Christus ist.
2. Du sollst dir kein Gottesbild machen.
Die christliche Verehrung heiliger Bilder gilt nicht den Bildern selbst, sondern den darauf dargestellten Personen. Deshalb widerspricht die christliche Bilderverehrung aus Sicht der römisch-katholischen Kirche nicht dem zweiten Gebot.
Anhänger der Reformation sahen in den heiligen Bildern einen Verstoß gegen das zweite Gebot und zogen von Kirche zu Kirche und zerstörten im sog. Bildersturm unzählige Bilder und Kunstwerke.
Evangelische Christen lehnen auch das Kruzifix eher ab, ein Kreuz mit dem Körper von Christus, da die nicht der Kreuztod, sondern die Auferstehung bedeutender ist.  Wird der Kruzifix als Schutzamulett und nicht als Bekenntnis gebraucht, so verstößt dies für die evangelischen Christen gegen das Zweite Gebot.
Calvinisten und Evangelikale lehnen jegliche bildliche Darstellung ab.
3. Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen
Nicht richtig ist auch das ehrfurchtlose Sprechen von Gott, selbst wenn es aus Gedankenlosigkeit und Gewohnheit geschieht. Das gilt insbesondere für das Fluchen.
Die Juden sprechen den Namen Gottes überhaupt nicht aus, aus Furcht, ihn zu missbrauchen. Anstelle des hebräischen JHWH sagen sie Adonai, Herr.
4. Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heilig haltest
Gott schuf die Welt in sechs Tagen und ruhte am siebten Tag. Gott beauftragte die Menschen ebenso zu handeln. Zu Beginn der Christenheit war zunächst der Samstag, Sabbat, heilig. Am Sonntag wurde ein Gottesdienst zu Erinnerung an die Auferstehung gefeiert. Erst Konstantin der Große legte 321 den Sonntag gesetzlich als Feiertag fest.
Der Sonntagsgottesdienst ist in der römisch-katholischen Kirche Pflicht kraft kirchlichem Gesetz. Gleiches gilt für die reformierten Kirchen.
Mit der Heiligung des Sonntags bestand auch die Pflicht, sich vieler Tätigkeiten zu enthalten.
Die Verpflichtung zur Teilnahme an der Messe in der römisch-katholischen Kirche wurde abgeschwächt: sie darf auch am Vorabend gefeiert werden.
Der katholische Katechismus sagt: „Die Christen sollen darauf hinwirken, dass die Sonntage und kirchlichen Feiertage als gesetzliche Feiertage anerkannt werden, wobei sie die Religionsfreiheit und das Gemeinwohl aller zu achten haben. Sie sollen allein ein öffentliches Beispiel des Gebets, der Ehrerbietung und der Freude geben und ihre Überlieferungen als einen wertvollen Beitrag zum geistlichen Leben der menschlichen Gesellschaft verteidigen. Falls die Gesetzgebung des Landes oder andere Gründe zur Sonntagsarbeit verpflichten, soll dieser Tag dennoch als der Tag unserer Erlösung gefeiert werden, der uns and der festlichen Versammlung, an der Gemeinschaft der Erstgeborenen, die im Himmel verzeichnet sind, teilnehmen lässt.
5. Ehre deinen Vater und deine Mutter
Das Gebot richtet sich an die mittlere Generation, die sich um ihre älter werdenden Eltern kümmern sollten.
6. Du sollst nicht töten
Elementare Grundregel des menschlichen Zusammenlebens ist die Achtung des menschlichen Lebens. Die Frage in der heutigen Zeit lautet für die Christen aber, ob das Gebot schon erfüllt ist, wenn man den Nächsten nicht tötet. Der Katechismus der Katholischen Kirche sagt hierzu: Dass die menschliche Gesellschaft mörderische Hungersnöte hinnimmt, ohne sich um Hilfe zu bemühen, ist ein empörendes Unrecht und eine schwere Verfehlung. Händler, die durch wucherische und profitgierige Geschäfte ihre Mitmenschen hungern und sterben lassen, begehen indirekt einen Mord; für diesen sie sie verantwortlich.
7. Du sollst nicht ehebrechen
Das Gebot ist Ausdruck des Respekts vor dem Mitmenschen. Jesus war sogar schon gegen den Ehebruch in Gedanken, s. Matthäus, 5, 27.
8. Du sollst nicht stehlen
9. Du sollst nicht falsches Zeugnis reden wider deinen Nächsten
Jesus war sogar dafür, nicht nur nicht falsch, sondern überhaupt nicht zu schwören, s. Matthäus 5, 37.
10. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Hab und Gut
Verboten ist Habgier, Neid, Selbstsucht, allgemein ungerechtfertigtes Anspruchsdenken. Geld darf nicht zum Selbstzweck werden.

Die Bergpredigt

Die Bergpredigt Jesu ist eine Weiterführung der 10 Gebote. Die Bergpredigt ist der Höhepunkt der Lehren Jesu, der darin nicht nur die Nächstenliebe, sondern auch die Feindesliebe fordert. Heute ein eher theoretischer christlicher Wert.

Messe und Abendmahl

In dem Buch Matthäus 26, 26-28 steht zu lesen: Als sie aber aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach’s und gab’s den Jünger und sprach: Nehmet, esset,; das ist mein Leib. Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus; das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden.
Auf der Grundlage dieses Mahls wird in der katholischen und orthodoxen Kirche die Eucharistie oder Messe, in den evangelischen Kirchen das Abendmahl gefeiert.

Die heilige Messe in der katholischen Kirche

Die Feier der heiligen Messe ist Mittelpunkt des ganzen christlichen Lebens. Alle anderen gottesdienstlichen Feiern und Werke stehen mit der Messe in Zusammenhang. Es vollzieht sich die Wandlung von Brot und Wein durch die Konsekration in den Leib und das Blut Christi. Unter den konsekrierten Gestalten von Brot und Wein ist Christus als Gott selbst als Lebendiger  real substantiell anwesend mit seinem Leib und seinem Blut und seiner Seele. Die Hostien, die nach der Kommunion übrig bleiben, werden im Tabernakel verschlossen und angebetet, da sie Jesu repräsentieren. Der katholische Katechismus verbietet evangelischen Christen an der Messe teilzunehmen, vor allem wegen des Fehlens des Weihesakraments.
Zur Messe sind nur römisch-katholische Christen nach der Erstkommunion zugelassen.

Das Abendmahl in der evangelischen Kirche

Nach dem Heidelberger Katechismus ist es nicht so, dass aus Brot und Wein der wirkliche Leib und das Blut Christi werden. Wie das Wasser in der Taufe nicht in das Blut Christi verwandelt oder das Abwaschen der Sünden selbst wird, deren es nur ein göttliches Wahrzeichen und Versicherung ist, so wird auch das heilige Brot im Abendmahl nicht der Leib Christi selbst, auch wen es nach Art und Gebrauch der Sakramente der Leib Christi genannt wird.
Das Abendmahl bezeugt den evangelischen Christen, dass sie vollkommene Vergebung aller ihrer Sünden haben durch das einmalige Opfer Jesu Christi, das er selbst einmal am Kreuz vollbracht hat und dass sie durch den Heiligen Geist Christus eingeleibt werden, der jetzt mit seinem wahren Leib im Himmel zur Rechten des Vaters ist und dort angebetet werden will. Die Heilige Messe - so der Heidelberger Katechismus - hingegen lehrt, dass die Lebendigen und die Toten nicht durch das Leiden Christi Vergebung der Sünden haben, es sei denn, dass Christus immer noch täglich für sie von den Messpriestern geopfert werde; und, dass Christus leiblich in der Gestalt des Brots und Weins sei und deshalb darin angebetet werden soll. Also ist die Messe im Grunde nichts anderes als eine Verleugnung des einmaligen Opfers und Leidens Jesu Christi und eine vermaledeite Abgötterei.
Die evangelischen Kirchen feiern das Abendmahl als Erinnerung an Jesu letztes Mahl mit seinen Jüngern nur alle paar Wochen. Es wird mit gewöhnlichem Brot und nicht mit Hostien begangen.
Am Abendmahl teilnehmen dürfen in der lutherischen und reformierten Kirche alle getauften Christen, jedoch erst nach Katechese oder Konfirmation. In der Schweizer reformierten Kirche dürfen auch Kinder am Abendmahl teilnehmen.
Viele evangelische Pfarrer vertreten die Ansicht, dass alle Menschen am Abendmahl teilnehmen dürfen, auch Ungetaufte und Nichtchristen, da Jesus für alle Menschen gekommen sei.

Die Taufe

Zur Taufe ist in Markus 16, 16 zu lesen: Gott bietet in seiner Offenbarung dem Menschen sein heil an und öffnet ihm den Zutritt dazu in der Taufe;… Der Mensch, der im Wissen um diesen Zusammenhang sich taufen lässt, macht damit ernst mit seinem Glauben, durch den er das Heilsangebot Gottes annimmt. Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet werden.
Der Heidelberger Katechismus sagt: Christus (hat) dieses äußerliche Wasserbad eingesetzt und dabei verheißen, dass ich so gewiss mit seinem Blut und Geist von der Unreinigkeit meiner Seele, das heißt von allen meinen Sünden, reingewaschen bin, so gewiss ich äußerlich mit Wasser, das die Unsauberkeit des Leibes hinwegnimmt, gewaschen bin.
Die Patin oder der Pate vertritt den entscheidungsunfähigen Täufling. Bei der katholischen Taufe muss der Pate katholisch sein. Von evangelischen Paten wird erwartet, dass sie christlich getauft sind.
Katholische Taufen finden normalerweise außerhalb des gewöhnlichen Gottesdienstes statt, anders evangelische Taufen, die im normalen Gottesdienst abgehalten werden.

Erstkommunion und Firmung in der katholischen Kirche

Kindern werden durch Unterricht auf die Erstkommunion, auf den Empfang des Heiligen Brots vorbereitet. Die Erstkommunion wird i.d.R. im Alter von 9 Jahren gefeiert.

Konfirmation in der evangelischen Kirche

Konfirmation hat die Bedeutung einer Bekräftigung. Für evangelische Christen ist die Konfirmation die Bestätigung der Taufe durch den mündig gewordenen Menschen. Sie findet im Alter von 14 bis 16 Jahren statt und ihr geht ein kirchlicher Unterricht voraus. Mit der Konfirmation haben die religiös Erwachsenen nun alle Recht und Pflichten, die in der Kirche Gültigkeit haben.