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Christliche Kirche - christliche Gemeinschaften

Definition / Begriff Kirche

Den Begriff Kirche benutzten zuerst keltische Christen benutzt. Sie brachten ihn von Britannien nach Mitteleuropa, so Heinrich Friedrich Jacobson. Möglich ist aber auch, die Historiker sind sich nicht einig, dass das Wort Kirche während der konstantinischen Epoche im Christentum der römischen Kolonialstädte, also Metz, Trier und Köln, eingeführt.

Seitdem wird das Wort Kirche zum weitaus größten Teil zur Bezeichnung von Religionsgemeinschaften einer christlichen Konfession genutzt. Hiervon gibt es mehrere; die die Glaubensgemeinschaft der Christen, Ekklesia genannt, ist in unterschiedlichen Kirchen organisiert.

Theologische Grundlagen und Geschichte

Die Kirche ist in der Geschichte das „Volk Gottes“, versteht sich also als die Nachkommenschaft des ersterwählten Bundesvolks Israel. Indem Jesus Christus die Apostel zu sich holte, wollte Israel von Neuem sammeln. Die Kirchen sehen sich als die Nachfolger dieser Apostel Jesu. Sie sehen sich als die Zeugen des Evangeliums, welche die Botschaft Jesu weitergeben und so der Welt das Heil künden und durch den Heiligen Geist in der Welt gegenwärtig machen.

Konform mit dem Glaubensbekenntnis wird die Kirche als die „eine, heilige, katholische und apostolische“ benannt. Das bedeutet, dass ihr als Kirche Jesu Christi von ihm, also Jesus, her eine unverbrüchliche Einheit zukommt. Die Kirche steht damit im Gegensatz zur menschlichen Sündigkeit und ist heilig, weil sie zu Gott gehört und auf ihn ausgerichtet ist. Im Glaubensbekenntnis wird die Kirche als katholische im Sinne von allumfassend und weltweit bezeichnet. Sie ist zudem apostolisch, weil sie sich geschichtlich von den Aposteln ableitet.

Die unterschiedlichen christlichen Kirchen

Heute ist sind die Christen in mehrere hundert Kirchen und Gemeinschaften zersplittert. Die drei größten sind die römisch-katholische Kirche, die orthodoxen Kirchen des Ostens und die Kirchen der Reformation.


So leben im deutschsprachigen Raum 30 Millionen katholische Christen, 30 Millionen evangelische und ca. 1 Millionen orthodoxe Christen. Es gibt zudem die kleine christ- oder altkatholische Kirche und hunderte, zumeist evangelikale freikirchliche Gemeinden. Diese umfassen insgesamt 2 Millionen Mitglieder.

Die römisch-katholische Kirche

Die römisch-katholische Kirche sieht sich selber als die von Jesus Christus gestiftete Gemeinschaft der Gläubigen. Sie ist organisatorisch eine strenge Einheit. Das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche ist der Bischof von Rom, der Papst. Er ist gleichzeitig das Staatsoberhaupt des Vatikans. Die Zugehörigkeit zur römisch-katholischen Kirche wird durch die Taufe und die Bekenntnis zu römisch-katholischen Lehren erworben. Die Priester sind Verwalter und Spender der Sakramente. Das Priesteramt ist allein Männern vorbehalten. Frauen können Gemeindeleiterinnen werden und die Gemeinde seelsorgerisch betreuen. Sie können predigen, unterrichten sowie weitere Aufgaben wahrnehmen.

Das Zweite Vatikanische Konzil hat zum ersten Mal in einer Gesamtschau zum Kirchenverständnis der Katholischen Kirche Stellung bezogen. Hervorgehoben wurden der Tradition gemäß die Sakramente und das kirchliche Amt. Die Kirche bezeichnet sich als Ur-Sakrament um zu verdeutlichen, dass die Kirche ein Werkzeug und Zeichen des Heils ist(vgl. LG 1). Hinzu tritt die sog. Communio-Theologie. Sie sieht das Sein der Kirche als Gemeinschaft zwischen Gott und den Menschen und zwischen den einzelnen Menschen und Menschengruppen. Wichtig ist besonders das „Einheitsamt des Petrus“, besser bekannt als das Amt des Papstes. Allerdings muss die Theologie Ausgewogenheit zwischen der Gemeinschaft der Bischöfe auf der einen Seite und der Zentralstellung des Papstes auf der anderen Seite theologisch erst noch finden. Das Kirchenverständnis der katholischen Kirche gründet sich auf die Bibel als die Heilige Schrift und die eigene Geschichte und Tradition.

Die christ- oder altkatholische Kirche

Die christ- oder altkatholische Kirche hat vergleichsweise nur wenige Mitglieder. Sie entstand im Jahr 1870 aus Protest gegen die Einführung des Unfehlbarkeitsdogmas des Papstes. Sie lehnt das Papsttum ab und hat das Priestertum für Frauen eingeführt. Ansonsten unterscheidet sie sich theologisch nicht stark von der römisch-katholischen Kirche.

Die reformatorischen Kirchen

Die reformatorischen Kirchen erheben für sich den Anspruch, durch das Wort Gottes, das in der Bibel festgehalten ist, erneuert worden zu sein und sich immer wieder neu vom Wort Gottes in Frage stellen zu lassen. Die reformatorischen Kirchen sind im 16. Jahrhundert entstanden. Allen ist gemeinsam, dass sie das Papsttum ablehnen. Die größten reformatorischen Kirchen sind die evangelisch-lutherischen oder evangelisch-reformierten Kirchen. In Deutschland ist die Evangelische Kirche ein Zusammenschluss von 24 Evangelischen Landeskirchen zu einem Bund von autonomen Kirchen. 10 der 24 Landeskirchen sind lutherischen Bekenntnisses, 12 sind uniert und 2 reformiert.
In Österreich finden sich die Evangelische Kirche H.B., Helvetischen Bekenntnisses, reformiert, und die Evangelische Kirche A.B., Augsburger Bekenntnisses, lutherisch.
In der Schweiz gibt es 23 evangelisch-reformierte Kantonalkirchen, die im Schweizerischen-Evangelischen Kirchenbund als Dachverband zusammengeschlossen sind. Daneben gibt es die evangelisch-methodistische Kirche.

In der evangelischen Theologie wird die Kirche in erster Linie als „creatura verbi“, als Geschöpf des Wortes, angesehen. Das wird daraus gefolgert, dass die Kirche vom Wort Christi lebt. Und zwar einmal von der Botschaft, die Jesus Christus selbst verkündet hat, aber auch von der Botschaft, die die Kirche im Anschluss an die neutestamentlichen Zeugnisse von ihm verkündet. In Art VII der Confessio Augustana findet sich das Bekenntnis zu einer heiligen, christlichen Kirche [...], die die Versammlung aller Gläubigen sei, bei denen das Evangelium rein gepredigt und die heiligen Sakramente laut dem Evangelium gereicht werden. Nach evangelischem Verständnis gibt es eine sichtbare und einer unsichtbare Kirche. Die unsichtbare Kirche ist die der Erwählten, welche identisch mit der himmlischen Kirche mit den Engeln und den Heiligen Gottes ist. Zu ihr gehören eventuell nicht alle, die sich äußerlich zu ihr bekennen. Daneben gibt es die auf der Erde sichtbare Kirche, die Fehler und Unzulänglichkeiten hat. Die evangelischen Kirchen stützt sich auf die Anfänge des Christentums im Neuen Testament und die reformatorischen Ideen der anbrechenden Neuzeit insbesondere durch Martin Luther.

Die orthodoxen Kirchen oder Ostkirchen

Die orthodoxen Kirchen sind im Ostteil oder sogar außerhalb des alten Römischen Reichs entstanden. Deshalb nennt man sie auch Ostkirchen. Im 11. Jahrhundert haben sich die orthodoxen Kirchen von der römisch-katholischen Kirche abgespalten. Die einzelnen orthodoxen Kirchen werden nach ihrem Herkunftsort, Herkunftsland oder Sprache benannt. Es gibt viele orthodoxen Kirchen, die ein eigenes Oberhaupt haben, das sie selbständig einsetzen dürfen.  Dadurch drücken sie ihre Unabhängigkeit aus. Die Kirchenoberhäupter der orthodoxen Kirchen werden meistens Patriarch genannt. Viele orthodoxe Kirchen sind im Ökumenischen Patriarchat zusammengeschlossen, unter dem Vorsitz des Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel. Dieser hat aber keinerlei Rechte gegenüber den anderen orthodoxen Kirchen, sondern allein einen Ehrenvorrang. Die im Ökumenischen Patriarchat zusammengebundenen Kirchen erkennen sich gegenseitig an. Diese Anerkennung beinhaltet das Recht aller orthodoxen Gläubigen in jeder der Mitgliedskirchen vollberechtigt insbesondere am Abendmahl teilzunehmen.
Die wichtigsten orthodoxen Kirchen sind die russische, griechische, syrische, serbische und mazedonische orthodoxe Kirche.
Die koptisch-orthodoxe Kirche hat keine Abendmahlsgemeinschaft mit den anderen orthodoxen Kirchen des Ökumenischen Patriarchats. Sie ist eine der ältesten Kirchen überhaupt. Koptische Christen im deutschsprachigen Raum gibt es aus Ägypten und Äthiopien.

Die orthodoxen Kirchen verstehen die Kirche als etwas Gottmenschliches (Theandrisches), das als eine Wechselbeziehung von göttlichem und menschlichem Wirken verstanden wird und nach der Vorstellung der Dreifaltigkeit in Einheit und Vielheit geschaffen ist. Sie sehen sich bildlich als „Leib Christi“ (1 Kor 12) und stellen das Wirken des Heiligen Geistes als Fortführung des Wirkens Christi heraus. Die Sakramente, besonders die Eucharistie, ist sehr wichtig für die orthodoxe Kirche. Sie wird als der Zugang zum Verständnis der Kirche und des Christentums allgemein betrachtet. Die Orthodoxie konzentriert sich weiter auf die Verbindung zur himmlischen Kirche und ihre Gemeinschaft mit derselben. Die orthodoxen Kirchen sehen ihre Grundlage in erster Linie in den ersten Konzilien der Kirchengeschichte und den Kirchenvätern.

Die Freikirchen oder evangelikalen Gemeinden

Die evangelikalen Gemeinden oder Freikirchen gehören zu den reformatorischen Kirchen. Der Begriff evangelikal kommt aus dem englischen Sprachraum. Die konservativen evangelikalen Christen legen auf die persönliche Glaubenserfahrung in Bekehrung und Wiedergeburt einen Schwerpunkt , gehen von der Inspiration der Bibel aus, fordern die Heiligung des individuellen Lebens und der Gesellschaft, erstreben eine Gemeinschaft der wahren Gläubigen und sehen die Mission und die Evangelisation als vorrangige Aufgabe.
Bei den evangelikalen Gemeinden gibt es die Erwachsenen- bzw. Gläubigentaufe. Erst durch die Taufe wird man freiwillig Mitglied. Unter anderem auch daher stammt der Begriff Freikirche. Die freikirchlichen Gemeinden sind in ihren Strukturen stark unterschiedlich. Einige sind in losen Vereinigungen oder Dachverbänden verknüpft, etwa die Evangelische Allianz. Weitaus die meisten evangelikalen Gemeinden erkennen sich gegenseitig an. Daneben gibt es innerhalb der evangelischen Landeskirchen oder Kantonalkirchen evangelikale Kirchengemeinden, die als eine evangelikale Theorie und Praxis haben, sich aber dennoch als Teil der evangelischen Kirchen sehen.

Die Pfingstbewegung

ie Pfingstbewegung gehört zur reformatorischen Bewegung. Sie kennzeichnet sich durch die Erfahrung des Heiligen Geistes aus. Diese wird als Zeichen der Endzeit angesehen. Die Apostelgeschichte 2, 1-13 berichtet, dass die am Pfingsttag in Jerusalem versammelten Christen durch den Heiligen Geist plötzlich in fremden Sprachen sprechen und sich untereinander verstehen konnten. Die Pfingstgemeinden praktizieren die Krankenheilung, die Prophetie und die Zungenrede, also das Sprechen aus unmittelbarer Eingebung des Heiligen Geistes. Sie sehen diese drei Dinge als urchristliche Geistesgaben an. Die pfingstlichen Gemeinden unterschieden sich stark voneinander. Es gibt solche, die sich vollständig von anderen Gemeinden isolieren und solche, die Kontakt zu anderen Kirchen und Freikirchen pflegen. Die Pfingstgemeinden pflegen wie andere evangelikale Gemeinden die Gläubigentaufe. Eine übermächtige Gotteserfahrung, die „Geisttaufe“, gehört nach dieser Anschauung zum „vollen“ Christen.