Christliche Kirche, christliche Gemeinschaften
Die unterschiedlichen christlichen Kirchen
Heute ist sind die Christen in mehrere hundert Kirchen und Gemeinschaften zersplittert. Die drei größten sind die römisch-katholische Kirche, die orthodoxen Kirchen des Ostens und die Kirchen der Reformation.
So leben im deutschsprachigen Raum 30 Millionen katholische Christen, 30 Millionen evangelische und ca. 1 Millionen orthodoxe Christen. Es gibt zudem die kleine christ- oder altkatholische Kirche und hunderte, zumeist evangelikale freikirchliche Gemeinden. Diese umfassen insgesamt 2 Millionen Mitglieder.
Die römisch-katholische Kirche
Die römisch-katholische Kirche sieht sich selber als die von Jesus Christus gestiftete Gemeinschaft der Gläubigen. Sie ist organisatorisch eine strenge Einheit. Das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche ist der Bischof von Rom, der Papst. Er ist gleichzeitig das Staatsoberhaupt des Vatikans. Die Zugehörigkeit zur römisch-katholischen Kirche wird durch die Taufe und die Bekenntnis zu römisch-katholischen Lehren erworben. Die Priester sind Verwalter und Spender der Sakramente. Das Priesteramt ist allein Männern vorbehalten. Frauen können Gemeindeleiterinnen werden und die Gemeinde seelsorgerisch betreuen. Sie können predigen, unterrichten sowie weitere Aufgaben wahrnehmen.
Die christ- oder altkatholische Kirche
Die christ- oder altkatholische Kirche hat vergleichsweise nur wenige Mitglieder. Sie entstand im Jahr 1870 aus Protest gegen die Einführung des Unfehlbarkeitsdogmas des Papstes. Sie lehnt das Papsttum ab und hat das Priestertum für Frauen eingeführt. Ansonsten unterscheidet sie sich theologisch nicht stark von der römisch-katholischen Kirche.
Die reformatorischen Kirchen
Die reformatorischen Kirchen erheben für sich den Anspruch, durch das Wort Gottes, das in der Bibel festgehalten ist, erneuert worden zu sein und sich immer wieder neu vom Wort Gottes in Frage stellen zu lassen. Die reformatorischen Kirchen sind im 16. Jahrhundert entstanden. Allen ist gemeinsam, dass sie das Papsttum ablehnen. Die größten reformatorischen Kirchen sind die evangelisch-lutherische oder evangelisch-reformierten Kirchen. In Deutschland ist die Evangelische Kirche ein Zusammenschluss von 24 Evangelischen Landeskirchen zu einem Bund von autonomen Kirchen. 10 der 24 Landeskirchen sind lutherischen Bekenntnisses, 12 sind uniert und 2 reformiert.
In Österreich finden sich die Evangelische Kirche H.B., Helvetischen Bekenntnisses, reformiert, und die Evangelische Kirche A.B., Augsburger Bekenntnisses, lutherisch.
In der Schweiz gibt es 23 evangelisch-reformierte Kantonalkirchen, die im Schweizerischen-Evangelischen Kirchenbund als Dachverband zusammengeschlossen sind. Daneben gibt es die evangelisch-methodistische Kirche.
Die orthodoxen Kirchen oder Ostkirchen
Die orthodoxen Kirchen sind im Ostteil oder sogar außerhalb des alten Römischen Reichs entstanden. Deshalb nennt man sie auch Ostkirchen. Im 11. Jahrhundert haben sich die orthodoxen Kirchen von der römisch-katholischen Kirche abgespalten. Die einzelnen orthodoxen Kirchen werden nach ihrem Herkunftsort, Herkunftsland oder Sprache benannt. Es gibt viele orthodoxen Kirchen, die ein eigenes Oberhaupt haben, das sie selbständig einsetzen dürfen. Dadurch drücken sie ihre Unabhängigkeit aus. Die Kirchenoberhäupter der orthodoxen Kirchen werden meistens Patriarch genannt. Viele orthodoxe Kirchen sind im Ökumenischen Patriarchat zusammengeschlossen, unter dem Vorsitz des Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel. Dieser hat aber keinerlei Rechte gegenüber den anderen orthodoxen Kirchen, sondern allein einen Ehrenvorrang. Die im Ökumenischen Patriarchat zusammengebundenen Kirchen erkennen sich gegenseitig an. Diese Anerkennung beinhaltet das Recht aller orthodoxen Gläubigen in jeder der Mitgliedskirchen vollberechtigt insbesondere am Abendmahl teilzunehmen.
Die wichtigsten orthodoxen Kirchen sind die russische, griechische, syrische, serbische und mazedonische orthodoxe Kirche.
Die koptisch-orthodoxe Kirche hat keine Abendmahlsgemeinschaft mit den anderen orthodoxen Kirchen des Ökumenischen Patriarchats. Sie ist eine der ältesten Kirchen überhaupt. Koptische Christen im deutschsprachigen Raum gibt es aus Ägypten und Äthiopien.
Die Freikirchen oder evangelikalen Gemeinden
Die evangelikalen Gemeinden oder Freikirchen gehören zu den reformatorischen Kirchen. Der Begriff evangelikal kommt aus dem englischen Sprachraum. Die konservativen evangelikalen Christen legen auf die persönliche Glaubenserfahrung in Bekehrung und Wiedergeburt einen Schwerpunkt , gehen von der Inspiration der Bibel aus, fordern die Heiligung des individuellen Lebens und der Gesellschaft, erstreben eine Gemeinschaft der wahren Gläubigen und sehen die Mission und die Evangelisation als vorrangige Aufgabe.
Bei den evangelikalen Gemeinden gibt es die Erwachsenen- bzw. Gläubigentaufe. Erst durch die Taufe wird man freiwillig Mitglied. Unter anderem auch daher stammt der Begriff Freikirche. Die freikirchlichen Gemeinden sind in ihren Strukturen stark unterschiedlich. Einige sind in losen Vereinigungen oder Dachverbänden verknüpft, etwa die Evangelische Allianz. Weitaus die meisten evangelikalen Gemeinden erkennen sich gegenseitig an. Daneben gibt es innerhalb der evangelischen Landeskirchen oder Kantonalkirchen evangelikale Kirchengemeinden, die als eine evangelikale Theorie und Praxis haben, sich aber dennoch als Teil der evangelischen Kirchen sehen.
Die Pfingstbewegung
Die Pfingstbewegung gehört zur reformatorischen Bewegung. Sie kennzeichnet sich durch die Erfahrung des Heiligen Geistes aus. Diese wird als Zeichen der Endzeit angesehen. Die Apostelgeschichte 2, 1-13 berichtet, dass die am Pfingsttag in Jerusalem versammelten Christen durch den Heiligen Geist plötzlich in fremden Sprachen sprechen und sich untereinander verstehen konnten. Die Pfingstgemeinden praktizieren die Krankenheilung, die Prophetie und die Zungenrede, also das Sprechen aus unmittelbarer Eingebung des Heiligen Geistes. Sie sehen diese drei Dinge als urchristliche Geistesgaben an. Die pfingstlichen Gemeinden unterschieden sich stark voneinander. Es gibt solche, die sich vollständig von anderen Gemeinden isolieren und solche, die Kontakt zu anderen Kirchen und Freikirchen pflegen. Die Pfingstgemeinden pflegen wie andere evangelikale Gemeinden die Gläubigentaufe. Eine übermächtige Gotteserfahrung, die „Geisttaufe“, gehört nach dieser Anschauung zum „vollen“ Christen.
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