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Inhalte des Buddhismus

Was ist der Buddhismus?

Der Buddhismus in seiner reinen Form kennt keinen Gott, kein Paradies, keine Hölle. 

Der Buddhismus ist weitgehend frei von Metaphysik. Ein Dualismus von Geist und Materie, von Gott und der Welt, existiert nicht. Die Realität ist nach der Ansicht der Buddhisten ein Kontinuum von Prozessen. So wurde die Welt nicht von einem göttlichen Schöpfer erschaffen. Alles ist in gegenseitiger Abhängigkeit entstanden. Nichts hat seine Identität aus sich heraus. Alles was existiert, existiert nur in Bezug auf anderes. Es ist der ständige Wandel aller Dinge und die Substanzlosigkeit allen Seins, auch des eigenen Ichs, die im Mittelpunkt des Buddhismus stehen.
Man könnte den Buddhismus auch als Philosophie einordnen, aber da sich der Buddhismus nicht rational beweisen lässt, muss er als Religion, als Glaubensrichtung, eingeordnet werden.
Eine Grundlage der buddhistischen Lehre ist der ewige, leidvolle, unfreiwillige Kreislauf des Lebens. Der Kreislauf, samsara, besteht aus Geburt, Tod und Wiedergeburt. Das karma, die moralische Qualität der Taten des Einzelnen im Leben, bestimmt wie man wiedergeboren wird. Wer gut ist und auch gutes tut, auf den wartet ein Leben in Wohlstand, wer Schlechtes tut, wird im Elend oder im Körper eines Tieres wiedergeboren werden. Diese Konsequenzen sind nach buddhistischer Lehre keine Strafen oder Belohnungen, sondern ein Automatismus – es gibt keine übergeordnete, wertende Instanz.
Den Buddhismus könnte man deshalb auch als Religion ohne Gott bezeichnen. Der Buddhismus ist eine Weltanschauung, die über Jahrtausende ethische Regeln und eine kultische Praxis hervorgebracht hat. Er hat zahlreiche Kulturen beeinflusst. Der Buddhismus ist in weiten Teilen Asiens beheimatet und wirkt dort als einendes Element.

Die vier Wahrheiten des Buddhismus

Siddharta Gautama hat die vier edlen Wahrheiten erkannt:
1. Alles ist Leiden.
2. Der Ursprung alles Leidens ist das Begehren.
3. Alles Leiden endet im Nirvana, einem glücklichen Zustand des Nicht-Seins, der Überwindung aller Begierden. Nirvana ist ein Sanskritwort und bedeutet Verlöschen.
4. Zum Nirvana gelangt man über den achtfachen Pfad. Es gibt acht Anweisungen zur Geisteshaltung und Lebensführung. Durch Befolgung dieser Anweisungen kann sich der Geist von der äußeren Welt abwenden und den Frieden und die innere Ruhe suchen. Zu den acht Anweisungen gehören beispielsweise Konzentration und Gewaltlosigkeit.

Wer die acht Ziele erreicht, erreicht auch sein persönliches Ziel, die Überwindung des Kreislaufs der Wiedergeburten; damit wird er von allen Leiden erlöst.
Buddha hat Konzentrationsübungen geschaffen und 200 Regeln für Mönche und Nonnen aufgestellt sowie über 800 Gleichnisse. Die Mönche bewahren Buddhas Lehre und kommentieren und verbreiten sie.

Wer darf sich Buddhist nennen?

Buddhist ist, wer anerkennt, dass Siddharta Gautama die Erleuchtung erlangte und den Weg zur Erlösung wies.  Buddhist ist, wer zu den drei Juwelen Zuflucht nimmt: zu Buddha, dessen Lehren und der Gemeinschaft der Gläubigen, zu buddha, dharma und sangha.
Die Lehren des Buddha wurden im Laufe der Jahrtausende weiterentwickelt, haben sich in Schulen und Gruppen gespalten. Heute wird der Buddhismus von zwei großen Traditionen bestimmt, die allerdings auch neue Unterschulen hervorgebracht haben. Diese großen Traditionen heißen theravada und mahayana.

Theravade - Schule des Buddhismus

Die Schule Theravade lehrt, dass vor allem der Geist des Einzelnen das Fahrzeug zum eigenen Heil ist. Dieses kann jedoch nur von Mönchen erreicht werden. Früher bezeichnete man Theravada als Kleines Fahrzeug im Sinne einer Abwertung. Theravada basiert vor allem auf den überlieferten Regeln und Lehren Buddhas selbst. Theravada, als auch Lehre der Alten bezeichnet, ist in Thailand, Laos, Myanmar, Kambodscha und Sri Lanka verbreitet.

Mahayana - Schule des Buddhismus

Die Mahayana-Tradition basiert auf jüngeren Schriften und Auslegungen. Sie entstand im 1. Jahrhundert v. Chr.. Mahayana legt besonderen Wert auf Mitgefühl und Sorge für andere Lebewesen. Sie wird auch als Großes Fahrzeug bezeichnet, weil neben dem Geist des Einzelnen auch die Verantwortung gegenüber anderen zur Erleuchtung führt. Der bodhisattva ist ein Erleuchtungswesen, ein Ideal des Mahayana, das willentlich nicht ins Nirvana tritt, um andere Lebewesen auf den Pfaden zur Erleuchtung zu unterstützen.
Im Mahayana wird die Selbstverantwortung des Individuums betont, das nicht nur auf die Gnade einer transzendenten Instanz angewiesen ist. Die Erkenntnis des Einzelnen und nicht Dogmen stehen im Mittelpunkt.
Mahayana ist die am weitesten verbreitete Tradition des Buddhismus und ist vor allem in China, Japan, Nepal und Korea zu Hause. Auch die Gelug-Schule rechnet sich zu Mahayana.

Dalai Lama

Spritueller Führer der Gelug Schule ist der Dalai Lama, was Ozean der Weisheit bedeutet, aus Tibet. Nach dem Glauben der Tibetischen Buddhisten wird der Geist ihrer spirituellen Führer, der Lamas, immer wieder neu geboren, reinkarniert. In manchen Orden spricht man den Wiedergeborenen bestimmte Eigenschaften zu, die sie von normalen Menschen unterscheidet. Dadurch kann eine Suchkommission den Tulku, den Erscheinungskörper nach dem Tod des Lama erkennen. Die Wahl des Dalai Lama erfolgt auf die gleich Art und Weise. Der Dalai Lama ist für viele Tibeter ebenfalls ihr weltliches Oberhaupt. Der amtierende Dalai Lama ist der 14. seines Standes und wurde 1939 als Wiedergeburt seines Vorgängers erkannt.

Zen Buddhismus

Auch der in Japan sehr verbreitete Zen-Buddhismus zählt sich zu Mahayana. Beim Zen-Buddhismus soll der Gläubige durch Meditation (zen) sowie durch die Auseinandersetzung mit paradoxen Rätseln (koan) und anderen Übungen seinen Geist kontrollieren. Befindet er sich dann in tiefer Versenkung, kann er plötzlich zur Erleuchtung gelangen.
Vor allem der Zen-Buddhismus hat den Buddhismus auch in Europa und Nordamerika populär gemacht. So dürfte es in Deutschland etwa 250000 Anhänger des Buddhismus geben.
Nach der Lehre des Großen Fahrzeugs des Buddhismus kann jeder zum Buddha werden, denn ein Buddha offenbart sich durch sein Wirken und nicht, weil er sich als erleuchtet bezeichnet.